Besuch in Riga 2010:
In gemeinsamer Liebe unsere Schwestern und Brüder aus Holzkirchen kennenlernen
Bis jetzt war unsere Schwestergemeinde aus Holzkirchen nur für die Mitglieder aus unserer Gemeinde ein Begriff, die sich an ihren Besuch im Jahr 2001 erinnern. Die anderen Gemeindemit- glieder mussten sich mit den Erzählungen derer abfinden, die Holzkirchen besucht haben bzw. sich über die Veränderungen an unserer Kirche freuen, die dank des jährlichen Fastenopfers der deutschen Gemeinde möglich wurden. Jetzt aber sind die Schwestern und Brüder aus Holzkirchen für uns "fassbar" geworden, wir haben sie von Angesicht zu Angesicht gesehen, mit ihnen gesprochen und man kann sagen, uns mit ihnen sogar angefreundet. 17 Personen waren Ende Juli/Anfang August (30.07. - 02.08.) für 2 1/2 Tage zu Gast bei uns, die meisten sogar noch einmal am 8. August nach einer Rundreise durch Lettland und Litauen. Die junge Pfarrerin Tina Greitemann und die Religionspädagogin Birgit Weinberger, die bei Inga Kundzina aus unserer Gemeinde untergebracht waren, haben an der Rundreise nicht teilgenommen und sind bereits am 2. August wieder nach Hause gefahren.
Ein dicht gedrängtes Programm erwartete die Teilnehmer der Reise, die von Bernd Helwig lange und sorgfältig vorbereitet wurde. (Anmerkung: Das Programm des Wochenendes wurde von unseren Partnern in Riga geplant) Schon am Tag der Anreise standen ein Mittagessen, ein Stadtrundgang (Dank an Aija für die nette Führung) sowie ein Konzert im Dom auf dem Programm. Obwohl alle Teilnehmer bereits um 4 Uhr morgens aufgestanden und von München über Prag nach Riga geflogen waren, hatten einige am Abend noch Lust zu einem gemütlichen Beisammensein und Gesprächen auf der Terasse des Hotels Albert. Wir waren beeindruckt von der Herzlichkeit und Zuneigung, die uns von unseren Gästen entgegengebracht wurde.
Fotos: Bernd Helwig
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Am Kischsee und anderen Gewässern
Samstag, der 31. Juli begann mit einer Fahrt ins Pensionat Juglas, wo unsere sehbehinderten Gemeindemitglieder wohnen. Nach einer Besichtigung des Heimes Strazdumuiža (Starenhof) und einer Ansprache des Mitglieds des Gemeindevorstandes Ilgavar Homanis, wurde ein Konzert gegeben. Das Ensemble des Pensionats "Dzīvības avots" (Quelle des Lebens) unter der Leitung von Silvija sowie der Chor "Jolanta" mit seinem Dirigenten Arnolds Skride präsentierten zahlreiche Stücke. Für das Mittagessen stand ein reich gedeckter Tisch zur Verfügung. Gegenseitiges Kennenlernen, Gespräche sowie das Auffrischen deuscher Sprachkenntnisse ließen die Zeit sehr schnell vergehen. Die spontan geborene Idee, das Freilichtmuseum zu besuchen, wurde sofort in die Tat umgesetzt.
Wir spazierten durch die ganze Anlage, vorbei an prächtigen Blumengärten, sahen in Usmas Kirche und viele Brautpaare, die dort oder woanders an diesem Tag geheiratet hatten. Wir bestiegen eine Windmühle und besichtigten noch viele andere Dinge, so dass wir das Museum als letzte Besucher verlassen haben.
Aber die Sonne stand noch hoch und wir wollten gerne sehen, wie sie im Meer untergeht. Schnell haben wir das Abendessen im Hotel eingenommen und um 20.30 Uhr saßen wir schon auf dem Schiff "Jelgava". Wir gleiten vorbei an Ķīpsala (Ķīpinseln), an verlassenen Fabriken und den Hafenkränen in Mangaļi, die neben großen Kohlehalden stehen, was uns natürlich auch zu Gesprächen ueber die ökonomische Situation in Lettland anregte. Nach ungefähr einer Stunde Fahrt sind wir bereits zwischen mehreren Molen und Leuchttürmen, die Daugava wird immer breiter und man sieht das Meer und die sinkende Sonne. Das Schiff drehte sich ausreichend lange, so dass alle Passagiere den Sonnenuntergang beobachten und auch fotografieren konnten. Als wir nach Riga zurückkehrten, dämmerte es schon - die weissen Nächte, die es vielen Ausländern schwer machen, zu schlafen, sind vorbei.
In der Christusgemeinde und in Katlakalns
Das zentrale Ereignis des Besuchs aus Holzkirchen war sicher der Gottedienst am Sontag in unserer Gemeinde. Vorher haben sie die nähere Umgebung besichtigt: Hinter der Kirche ist das Grabmal von Anna von Vietinghoff, deren Mann in Riga das Theatergebäude gestiftet hat, in dem auch Richard Wagner dirigierte und auch das Schloss in Alūksne gebaut hat. Er hat auch den Bau der Kirche in Alūksne finanziert, deren erster Pfarrer, Johann Ernst Glück, als erster die Bibel ins Lettische übersetzte. Darüber kann man auch auf unserer Homepage mehr lesen unter "Jēkaba kapi". Ganz in der Nähe ruht auch Johann Christoph Brotze¹. Unsere Gäste haben alle 3 Stockwerke der Kirche besichtigt, von der Mansarde bis zur Krypta.
Auch in der Sonntagsschule wurde alles genau besichtigt und sogar einige Vorschläge gemacht. Später am Nachmittag hat Frau Barbara Oloff, Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes in Holzkirchen, unserer Sonntagsschule verschiedene Materialien fuer ihre Tätigkeiten geschenkt.
So voll war unsere Kirche während des Sommers noch nie. Wir haben Pfarrerin Tina Greitemann gebeten, die Bibellesung auf deutsch vorzunehmen. Nach der Predigt unseres Pfarres Agris ist Tina auf die Kanzel gestiegen. Was sie gesagt hat, lag unserem Empfinden sehr nah. Bis jetzt war die Gemeinde in Riga etwas Abstraktes, für das man an Ostern Geld gesammelt hat (Fastenopfer). Jetzt aber hat die Gemeinde konkrete Züge, ein Gesicht bekommen, weil es die Gelegenheit gab, Mitglieder der Christusgemeinde näher kennenzulernen und sich mit ihnen zu unterhalten. Eine fröhliche Überraschung gab es auch - Tina überreichte unserem Pfarrer die jährliche Spende (Fastenopfer) in einem schönen Kasten, dessen Deckel mit dem Bild des Altarkreuzes aus Holzkirchen geschmückt ist: Jesus mit ausgebreiteten Armen, die wie in einem Regenbogen versuchen, die ganze Welt zu umarmen. Vielen Dank, damit können wir die Lücken in unserem Budget auffüllen, über den bevorstehenden Winter nachdenken etc.
Nach dem Gottesdienst stand ein gemeinsamer Kaffeetisch bereit, für den unsere aktivsten Schwestern gesorgt hatten. So konnten auch die Gemeindemitglieder, die am Gartenfest im Pensionat nicht teilgenommen hatten, unsere Gäste kennenlernen und sich mit ihnen unterhalten. Die Gemeinsamkeit im schön gepflegten Territorium des Jakobsfriedhofes rings um unsere Kirche, gab auch die Gelegenheit, unser Gotteshaus von außen zu sehen - die Kirche ist ja so schön weiß geworden gerade dank der Unterstützung unserer Schwestergemeinde. Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes Benita Brūdere hat auch Kurioses erzählt, als wir mal anderen Gästen stolz unser "weißes Gotteshaus" gezeigt haben und an der damals noch grauen und schmutzigen Wand standen. Der herzhafte und der süße Kuchen hat allen gut geschmeckt und auch unser Kaffee wurde gelobt. Unsere Leute hatten eine Reisetüte für die Gäste vorbereitet mit leckeren lettischen nationalen Produkten.
Vor dem Besuch habe wir diskutiert, ob alle Gäste interessiert wären, Katlakalns, wo Professor Feldmanis³ beerdigt ist, zu besuchen, weil ihn ja nicht alle gekannt haben, eigentlich nur Frau Margot Springer, die in Holzkirchen vieles in der Gemeinde ehrenamtlich tut. Aber es hat sich gezeigt, dass alle an der Fahrt interssiert waren. Als endlich alle angekommen waren (einige Fahrer sind an dem richtigen Wegweiser vorbei bis Ķekava gefahren), konnte der Hauswirt Igors Martinelli seine Tour durch die Kirche, deren Garten und den umliegenden Park beginnen. Die Liebe des Professors zu den Bäumen, die er aus allen Enden der Welt hierher gebracht hat, ist ja bekannt. Igaros wusste über jeden Baum etwas zu erzählen, weil er lange Jahre eng mit dem Professor zusammengearbeitet hat.
Der Kreis schliesst sich auf dem Katlakalna Friedhof am Grab von Garlieb Merkel². Brotze hat in seinen Zeichnungen das äußere Gewand der Letten fixiert, Merkel hat seinerseits im Roman "Die Letten" unseren nationalen Charakter und seine eigenen Landsleute in nicht ganz vorteilhaftem Licht gezeigt, wofür er viel Verachtung hervorgerufen hat. Dank der beiden Deutschen können wir, die nächsten Generationen, die historische Gestalt unserer Nation besser verstehen und mit Christen aus Deutschland befreundet sein, unser tägliches Brot, unsere Liebe zu Gott und unsere Erkenntnisse mit ihnen teilen. Gegenseitiges Verständnis und das, was man als tolerante Beziehung zu allen von uns angebotenen Aktivitäten und zur Organisation des Besuches nennen könnte - wo man nicht immer ohne Stress und Missverständnisse auskommt - ist vielleicht gerade durch diese Liebe, in der wir uns einig fühlen, Liebe zu unserem Herrn zu erklären. Wir freuen uns und sind dankbar für die Gelegenheit, sie auf solche Art und Weise im Laufe von drei, vier Tagen Zusammensein zu zeigen.
Fotos: Bernd Helwig
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Abschiedssonntag
Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. (Lk. 12:32)
Nach einer Woche Reise sind unsere Gäste wieder in unserer Kirche. Wir hören Agris´ Predigt darüber, dass wir wachen sollen, weil man nicht weiß, wann der Herr kommt. Wir wissen nicht, ob unsere Gäste den Sinn durch die Übersetzung ganz fassen können, auch unsere Lithurgien unterscheiden sich etwas, aber das Gefühl der Gemeinsamkeit scheint in dieser Woche, in der wir uns nicht gesehen haben, sogar noch gewachsen. Unsere Gäste haben viel gesehen Jūrmala und Kurzeme (Kurland), dann Litauen (Palanga, Klaipēda, Nida, Kauņa, Trakai, Vilnius und den Berg der Kreuze). Sie besuchten drei Gemeinden in Litauen und lernten ihren sehr jungen Erzbischof kennen, auf dem Rückweg - Rundale und Bauska. Darüber hat nach dem Gottesdienst Herr Helwig berichtet.
Im Namen der Sonntagsschule hat sich die Lehrerin Līga mit der kleinen Anda durch Vortragen (Vorspielen) des Liedes über das kleine Lamm, das Gott in seinen Armen trägt, bedankt. Die Christus-Gemeinde hat den Gästen aus Holzkirchen ein Geschenk überreicht (Danke für die in einer CD "eingepressten" 4 Bände von Vitolds Mašnovskis Lutheranische Kirchen in Lettland - ideale Lösung für ein grosses/kleines und leichtes Geschenk!)
Agris hat gestanden, dass vor dem Besuch eine Aufregung dagewesen war - ob alles gut gelingt, aber als er die lieben Gäste aus Holzkirchen zum ersten Mal gesehen hat, war diese weg - man hatte gleich das Gefühl zu derselben "kleinen Herde" - den Christen - zu gehören. Es wurde endlich die Idee realisiert, Pfarrer Gotfried Greiner, der früher in Holzkirchen gedient und uns 2001 besucht hat, eine Postkarte mit Bild von unserer Kirche zu schicken.
Es ist Zeit Abschied zu nehmen. Glückliche Heimreise! Wir hoffen uns noch einmal zu sehen...
P.S.
Schon seit dem ersten Tag des Besuches wurde jedes Ereigniss, fast jeder Schritt und jeder Atemzug auf unserer Homepage kristusdraudze.lelb.lv dokumentiert. Vielleicht werden unsere Gemeindemit- glieder auch jetzt öfters die Homepage von Holzkirchen besuchen www.holzkirchen-evangelisch.de, weil uns jetzt da viele Gesichter schon bekannt sind. Ebenso können wir mit größerem Interesse auf unserer Homepage auf den Link Māsu draudze Holckirhenā, Vācijā (= Version mit Übersetzung) klicken, wo man dann die Vorgeschichte unserer Freundschaft verfolgen kann - über Besuche dort von Jānis Turlajs, der Autorin dieser Zeilen und von Agris und Dina und neue Freunde finden kann.
Anita Uzulniece
Liebe Anita,
Birgit und ich sind gestern Abend gut nach Hause gekommen und haben noch lange von den so gelungenen Tagen in Riga erzählt. Ich möchte mich bei Dir noch einmal sehr herzlich bedanken, dass Du so viel Zeit und Interesse für uns hattest! Durch Deine tolle Organisation haben wir die Kirchengemeinde und Riga von so vielen Facetten kennenlernen können. Und auf diese Weise ist für unser Gefühl eine echte Begegnung gelungen.
Vielen Dank!
Deine Tina
Liebe Anita,
ich möchte mich Tina anschließen und ganz herzlich für die Organisation der Zeit in Riga bedanken. Ich bin noch immer voller wunderschoener Eindruecke von Eurer Kirchengemeinde und Riga. Ich habe die Reise und all die Begegnung sehr genossen. Von nun an ist die Partnerschaft in Riga für mich mit ganz verschiedenen Gesichtern und Gespraechen verbunden - und so lebendig!
Vielen Dank, dass Du so viel Zeit mit uns verbracht hast, und wir so viel sehen und miterleben durften.
Liebe Grüße und alles Gute, die Birgit. |
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Heute am 8. August ist die Delegation aus unserer Schwestergemeinde Holz- kirchen von ihrer Rundreise durch Lettland und Litauen zurückgekehrt.
An diesem Morgen hatten wir noch einmal einen Gottesdienst mit unseren guten Freunden. Die Holzkirchner erzählten von ihren Reiseeindrücken, was sie gesehen und gefühlt haben. Wir berichteten von der Feier zum 100ten Geburtstag von Prof. Feldmanis in der Gedächtniskirche am vergange- nen Mittwoch. Für alle waren es interessante Gespräche, es wurden Adressen ausgetauscht und Worte der Dankbarkeit für die gemachten Erfah- rungen ausgesprochen.
Wir sind sehr dankbar für die großzügigen Spenden an unsere Kirchegemeinde und die blinden Brüder und Schwestern. Es war für uns eine große Überraschung und hilft uns bei der praktischen Arbeit.
Vielen Dank an die Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes Barbara Oloff, die Pfarrerin Tina Greitemann, Herrn Helwig, der den Besuch organisiert hat, und an alle Gäste für ihre aufrichtige Haltung, ihre Zuverlässigkeit und das echte Interesse an einer Zusammenarbeit.
Es war schön zu hören, dass auch bei Ihnen eine wahre Freude und Interesse an unserer Kirche zu erkennen war. Es war schön, viele Freunde zu treffen, die man bisher nur aus der Ferne kannte.
Um einen Besuch in Lettland auch für die kommenden Jahre anzuregen, sowie gleichzeitig als Erinnerung an diesen Besuch überreichen meine Freunde und ich Ihnen Bücher über die Lettisch-Lutherischen Kirchen in einer digitalen Ausgabe.
Gern nehme ich die Einladung an, Holzkirchen zu besuchen und freue mich, all die netten und aufrichtigen Menschen bald wieder zu treffen!
Wir wünschen Ihnen Gottes Segen,
Benita Brūdere
Vertrauenfrau des Kirchenvorstandes
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¹ : Johann Christoph Brotze, deutscher Pädagoge und Ethnograph,
² : Garlieb Helwig Merkel, deutsch-baltischer Publizist und Schriftsteller,
³ : Prof. Roberts Feldmanis, bedeutender lettischer Theologe des 20. Jahrhunderts,